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Die Fränkische Schweiz - Land der 170 Burgen


Seit der Zeit der Romantik übten Burgen und Ruinen einen besonderen Reiz auf den Besucher aus. Ihr altersgraues Gemäuer regte die Gemüter zur Erforschung der Vergangenheit an. Ein Hauch von prickelndem Geheimnis umweht diese steinernen Zeugen einer bewegten Geschichte. Sagen von wilden Gestalten und verborgenen Schätzen geistern seit Generationen durch die warmen Winterstuben. Sie verstärken den Schauer, der den Betrachter der geborstenen Mauern umfängt.

Burgenlandschaften ziehen daher noch heute Gäste an. Die Wachau mit dem sagenumwobenen Dürnstein oder das Pfälzer Bergland mit dem geschichtsträchtigen Trifels - beide mit dem Schicksal des Königs Richard Löwenherz verbunden - verdanken nicht nur dem Wein ihren wachsenden Besucherandrang. Burgen gehören zum viel besungenen Rhein und zur lieblichen Mosel. Aber auch im Münsterland (im nördlichen Nordrhein-Westfalen) gibt es über 100 Burgen, Wasserschlösser und Herrensitze, früher sollen es sogar 3000 gewesen sein. Was wären Südtirol oder das Elsaß ohne ihre Schlösser und Ruinen! Ihre Zahl kann bis heute noch nicht genau angegeben werden. Ob die nicht nachprüfbare Zahl von 10.000 europäischen Burgen ungefähr zutrifft, steht dahin. Die oben angedeuteten Burgenlandschaften sind verhältnismäßig großräumig. Nirgends aber liegen die Burgen so dicht in einem nicht allzu ausgedehnten Raum beisammen wie in der Fränkischen Schweiz. Nach bisheriger Forschung zählt man hier 170 Burgen.

Sie sollten Menschen und ihre Habe sowie Verkehrswege schützen. Deshalb erbaute man sie besonders da, wo die Interessen politischer Mächte des Mittelalters hart aufeinander stießen, wo ihr Besitz eng verzahnt war. An militärisch bedeutsamen Punkten legte man regelrechte Burgensysteme an, in denen sich die einzelnen Wehrbauten gegenseitig schützen konnten oder von denen aus man das Treiben in der vielleicht tiefer gelegenen Burg des Feindes beobachten konnte. Häufig bestanden diese Ansitze nur aus einem Steinturm aus dickem Mauerwerk, das dem Beschuss mit Pleydensteinen trotzen konnte. "Stein" war auch der Name dieser Turmburgen des 11. Jahrhunderts. Als älteste Burg im Radenzgau kann Stein bei Berneck angesprochen werden. Sie war ein fester Bau der Walpoten, des bedeutendsten Edelgeschlechtes des Gaues. Das Grundwort "-stein" verband man in der Folge oft mit dem Namen des Erbauers - man lebte ja noch in der Zeit der Einnamigkeit. So benannte man Pottenstein nach dem Pfalzgrafen Botho oder Gößweinstein nach dem Grafen Gozwin.

Von den 170 Burgen der Fränkischen Schweiz sind heute noch 39 bewohnt oder bewohnbar. 24 erheben sich auf steilen, oft malerischen Jurahöhen, auf hoch getürmten Felsen thronend. Sie bilden den größten Schmuck der Landschaft. Zwei Burgen werden noch von den Nachkommen der Erbauer bewohnt: Die Freiherren von Aufseß besitzen das 1114 erstmals benannte Schloss Unteraufseß und die Freiherren von Egloffstein die vor 1179 erbaute Burg Egloffstein. Beide Burgen sind Perlen des Aufseß- und des Trubachtales. Wiederholt eingenommen und geplündert, aber nie zerstört präsentiert sich Burg Pottenstein in fast unveränderter Form. Die kurz vor 1070 errichtete Burg ist das Glanzstück des Püttlachtales. Leider wurde 1816 der Turm abgetragen. Das 1076 nachgewiesene Gößweinstein zeigt sich zwar nicht mehr in seiner alten Form, doch ist sein Anblick vom Wiesenttal einmalig schön. Die Freiherren von Trockau sitzen seit 1316 auf Schloss Trockau.

Die untere Burg Tüchersfeld beherbergt das Fränkische-Schweiz-Museum. Wüstenstein, Thuisbrunn und Rabeneck sind Halbruinen, von denen einzelne Kemenaten oder ein Schlossneubau erhalten sind. In Waischenfeld steht nur noch das Amtshaus in der Vorburg. Als Krone der Wiesentalb überragt Burg Zwernitz das Ländchen. Ihr hochstrebender Turm ist von vielen Aussichtspunkten der Fränkischen Schweiz zu sehen. 15 Schlösser liegen in den Tälern oder auf ebenen Hochflächen. Sie sind nicht minder interessant. Der großartige Renaissancebau von Wiesenthau bildet zur breiten Ehrenbürg den malerischsten Vordergrund. Die Wasserburg Kunreuth gehört noch heute den Egloffsteinern, die sie um 1390 erbauten.

Zwölf der 170 Wehrbauten sind Ruinen. Am malerischsten erhebt sich auf der vordersten Felsenspitze über der Taleswindung der Wiesent bei Streitberg der Turm der Ruine Neideck. Drohend ragt der Turmrest der Ruine Wildenfels in die Höhe. Die noch ansehnlichen Trümmer der Ruine Leienfels verbergen sich unter Waldesdunkel. Die Ruinen der Burg Streitberg erinnern an ein großartiges Renaissanceschloss, das leider 1820 abgerissen wurde. Zwischen den hochragenden Juratürmen des einmaligen Felsendorfes Krögelstein spannt sich ein kühner Schwibbogen der 1523 zerstörten Burg. Bei fünf Wehrbauten führen nur erhaltene Nebengebäude die Bezeichnung Schloss.

Diese aufgeführten 56 Burgen, Schlösser und Ruinen sind allgemein den Gästen der Fränkischen Schweiz bekannt. Nur Historiker, Burgenforscher und Einheimische kennen noch die 114 Burgställe. Es sind Stellen, auf denen sich einst Burgen erhoben, die aber heute nicht besonders auffallen. Achtlos schreitet der Wanderer über sie hinweg; man muss ihn erst aufmerksam machen, bevor er sie entdeckt.

26 Burgställe weisen noch geringes, niedriges, oft völlig zugewachsenes Mauerwerk. Nur wenige haben bisher den Burgstall bei Wartleiten, das "obere Eck" erstiegen. Sein eigentlicher Name ist nicht bekannt, aber seine Existenz wird allein schon durch den Namen Neideck bezeugt, der "niederes Eck" bedeudet. Der Mauerrest des Sitzes Trainmeusel bildet heute die Wand einer Scheune. Noch um l830 waren von den ehemaligen Burgen Plankenstein und Neuhaus a. d. Aufseß mächtige Ruinen mit aufgehendem Mauerwerk zu sehen. 27 Burgställe zeigen noch Wall- oder Grabenreste, manchmal auch noch Felsbearbeitung. Die Kapelle Klausstein nimmt den Umfang der einstigen Burg Ahorn ein, auf der vor 1139 eine Kapellennische mit Nikolausaltar nachgewiesen ist. Von Schlüsselberg weiß man, dass es zwischen 1216 und 1219 erbaut wurde. Nach dieser Burg nannte sich seit 1219 das mächtige Geschlecht der Schlüsselberger, das 1347 mit dem Tod Konrad II. erlosch.

Von 61 Burgställen findet man überhaupt keine Reste mehr. Doch kennt man von 36 dieser verschwundenen Wehrbauten den genauen Standort. Die Burg Niederfellendorf, eine Straßensperre an der Geleitstraße von Baiersdorf nach Hollfeld, erhob sich an der Stelle des heutigen Friedhofs. Die ehemalige Burgkapelle wurde 1469 aus dem Pretzfelder Pfarrverband gelöst und zur eigenen Pfarrei erhoben. Erst nach Fertigstellung der neuen Kirche in Streitberg wurde das alte Gotteshaus in Niederfellendorf 1757 abgebrochen. Auch die Kirche St. Moritz erhebt sich auf einem ehemaligen Wehrbau der Edlen von Leutenbach. Mitten durch den Burgstall Veilbronn II lief die 1915 eröffnete und inzwischen aufgelassene Bahnlinie Ebermannstadt-Heiligenstadt. Von Wartberg künden nur mehr Schuttreste.

Schließlich ist noch eine letzte Gruppe von 25 Burgställen zu nennen, deren ehemalige Existenz durch keine Überreste bewiesen werden kann und deren einstiger Standpunkt auch nicht genau zu ermitteln ist. Ihr tatsächliches Vorhandensein ist nur aus archivalischen Quellen zu erschließen. Von den hier aufgezählten 114 Burgställen sind acht nur aus dem Gelände auszumachen. Über ihre Geschichte kann man jedoch nichts aussagen, da keine Nachrichten auf uns gekommen sind. Von 14 Wehrbauten - heute alles Burgställe - ist der ursprüngliche Name nicht bekannt. Der heutige Name wurde von der Bevölkerung erst nachträglich geprägt.

Die 170 Burgen und Schlösser der fränkischen Schweiz wurden im Zeitraum von der Mitte des 11. bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut. Sie bestanden somit nicht gleichzeitig. Im Stichjahr 1300 hatte man 18 bereits aufgelassen oder zerstört, während 83 Burgen noch gar nicht erbaut waren. Im Jahre 1400 waren bereits 32 Burgen abgegangen, während 46 noch nicht errichtet waren. Die meisten verschwundenen Wehrbauten hatten vor dem Auflassen ihren militärischen Wert verloren. Von den 18 vor 1300 schon verfallenen Burgen wurde nur eine nachweislich durch Kriegshandlung zerstört. Von den im 14. Jahrhundert abgegangenen 14 Burgen wurden nachweislich sechs und wahrscheinlich weitere zwei durch kriegerische Ereignisse zerstört. Da die Obergeschoße der Burgen meist Holzkonstruktionen mit Riegelmauerwerk waren, schritt der Verfall schnell voran. Die Steinsockel dienten den Bauern als billige Steinbrüche. Die ältesten militärischen Ansitze entstanden im 11. Jahrhundert. Die Erbauer benannten sich nach ihnen und begannen damit die Periode der Zweinamigkeit.

So begegnen 1059 Truppach I, 1070 Pottenstein, 1076 Gößweinstein. Der Bau von Adlitz, Burg Ahorn, des Heroldsteins und des Leupoldsteins ist wahrscheinlich ebenfalls dem 11. Jahrhundert zuzuordnen. Doch dann setzte ein intensiver Burgenbau ein: So erscheinen um 1100 Waischenfeld. 1108 Albwinestein, Burggaillenreuth und Wonsees, 1110/20 Streitberg, 1112/20 Muggendorf, 1114 Aufseß (Unteraufseß), 1119 Gunzendorf und Schönfeld I, 1122 Wichsenstein und 1124 Hollfeld, Niedermirsberg und Wannbach. 47 Burgen - mehr als ein Viertel - wurden im 12. Jahrhundert, der großen Zeit des Burgenbaues, aufgeführt. Damals entstanden u. a. Egloffstein, Greifenstein, Hiltpoltstein, Rabenstein und Zwernitz. Von den 26 Burgen, die im 13. Jahrhundert entstanden, mögen hier nur die Neideck, Rabeneck und Plankenfels genannt sein.

Noch einmal wurde im 14. Jahrhundert der Burgenbau verstärkt vorangetrieben, als es galt, die entstandenen Territorien an den neuralgischen Punkten abzusichern. 37 Burgen entstanden in diesem Zeitraum. Freienfels an der oberen Wiesent bot mit seinen hochragenden Kemenaten etwa einen Anblick wie Burg Eltz bei Moselkern. Freienfels und Wüstenstein waren Bollwerke gegen die machtgierigen Burggrafen von Nürnberg. Kaiser Karl IV. sicherte sein neuböhmisches Territorium mit den Burgen Böheimstein und Hollenberg, erwarb Hiltpoltstein, Strahlenfels und Spies und gewann die Lehenshoheit über Wildenfels und Stierberg. Die Egloffstein sicherten das Trubachtal mit Leuenstein, Leienfels und Bärnfels. Letztere Burg führte sogar das Egloffsteiner Wappentier - den Bären - im Namen. 26 Burgengründungen sind aus dem 15. Jahrhundert bekannt. Der eindrucksvollste Bau ist die zwischen 1476 und 1481 von den Giech hochgeführte Burg Wiesentfels II an der oberen Wiesent. In den folgenden drei Jahrhunderten errichtete der Adel noch 20 Burgen und Schlösser. Sie hatten keinen militärischen Wert mehr, sondern repräsentierten die Standesherrschaft, den Stolz des Adels.

Die mittelalterlichen Burgen dienten nur zum Schutz gegen streifende feindliche Horden. Einem stärkeren Gegner, der Zeit zur Belagerung hatte, konnten sie nicht widerstehen. Wir wissen nicht, wie lange sich die Veste Neideck schon gehalten hatte, bevor sich die Verteidiger nach dem Tode Konrads II. von Schlüsselberg am 14. September 1347 dem Burggrafen von Nürnberg ergaben. Sicher brauchten die Angreifer mehrere Tage, um sich mit ihren Pleyden, deren Schussweite etwa 100 Meter betrug, in günstige Position vorzuarbeiten. Vergeblich belagerten 1404 die Bamberger Trockau. Egloffstein und Thuisbrunn konnten 1450 dem Ansturm der Nürnberger widerstehen. Die 112 Mann starke Besatzung von Streitberg konnte 1553 einer Beschießung mit nürnbergischen Stücken gerade zwei Tage standhalten. Auch Zwernitz trotzte dem Feind einige Zeit. Doch wagten die Verteidiger der meisten Wehrbauten erst gar keinen Widerstand. Entweder zogen sie - wie in Krögelstein 1523 - schon beim Annähern des Feindes ab oder sie kapitulierten sofort.

Viele Wehrbauten wurden nach der Zerstörung wieder aufgebaut, meistens auf den alten Grundmauern. 48 Burgen dagegen blieben nach ihrer Zerstörung in Trümmern liegen. Sie zeigen sich heute als Ruinen oder Burgställe. 24 Burgen erstanden nach ihrer ersten Zerstörung neu. Elf Burgen wurden nach ihrer zweiten Zerstörung nicht mehr errichtet. Nur eine - Neidenstein a. d. Wiesent - zeigt sich als Ruine, die anderen sind Burgställe. Dagegen wurden 23 Wehranlagen nach ihrer zweiten Zerstörung wieder aufgebaut. Zwei Burgen - Behringersmühle und der Turm zu Wöhr - blieben nach ihrer dritten Zerstörung in Trümmern liegen, sechs Burgen indes wurden jedesmal wieder neu errichtet. Zu ihnen gehören Egloffstein, Hundshaupten, Trockau und Unteraufseß. Schließlich sind noch zwei Burgen zu nennen - Adlitz und Thuisbrunn - die gar viermal zerstört und viermal wieder aufgebaut wurden.

Keine kriegerischen Zerstörungen weisen Gräfenberg I, Pottenstein, Heckenhof, Oberaufseß und Guttenburg auf. Allerdings entstanden die letzten drei Schlösser erst im 17. und 18. Jahrhundert. Von diesen 170 Wehrbauten der Fränkischen Schweiz wurden 44 aufgelassen und dem Verfall preisgegeben. So bestimmte 1615 Albrecht IV. von Wildenstein, an Burg Strahlenfels keine Reparaturen mehr durchzuführen. Das Instandhalten hätte Unsummen verschlungen.

1347 gingen bei der Schlüsselberger Fehde wahrscheinlich sieben Burgen in Flammen auf (Burggrub II (?), Kulk, Oberes Eck, Rotenstein I, Rotenstein II, Trainmeusel und der Turm zu Wöhr). Der Aufseßer Fehde 1378 fiel eine (Truppach II (?)), dem Städtekrieg 1388 fielen zwei Burgen zum Opfer (Hundshaupten, Thuisbrunn). Der Strafzug des Königs 1397 warf drei Burgen in Trümmer (Leuenstein, Leupoldstein, Spies). Drei weitere Burgen wurden zwischen 1406 und 1412 bei lokalen Fehden zerstört (Alte Vestung, Hundshaupten, Unterleinleiter I). Der bayerische Krieg 1420/21 forderte eine Burg: Thuisbrunn wurde 1420 zum zweiten Male ausgebrannt. Ein Jahr später wurden drei Burgen vernichtet. Bewegten sich bisher Angriffe auf Burgen meist in Einzelaktionen, so fegte der Hussitensturm 1430 gleich 29 Wehrbauten hinweg. Wegen des Mangels an Quellen sind in dieser Zahl elf Burgen enthalten, deren Zerstörung sehr wahrscheinlich ist. Zehn der vernichteten Schlösser wurden nicht mehr aufgebaut. Auf Burg Zwernitz musste sich Markgraf Friedrich den Abzug der Feinde erkaufen.

Im Fürstenkrieg zwischen Herzog Ludwig dem Reichen von Baiern-Landshut und Markgraf Albrecht Achilles von Brandenburg gingen vier Burgen, wahrscheinlich aber noch zwei weitere in Flammen auf (Adlitz, Kirchahorn (?), Plankenstein(?), Rabenstein, Trockau, Unterailsfeld). Eine Burg wurde nicht mehr aufgebaut.. Differenzen zwischen Bamberg und Kulmbach führten 1490/99 zur Zerstörung von zwei Burgen, (Hohenloch b. Rabenstein, Vestenberg b. Wüstenstein), deren Ausbau jedoch noch nicht vollendet war. Ein Strafzug des Schwäbischen Bundes gegen Burgen, in denen der geächtete Thomas von Absberg Unterschlupf gefunden hatte, führte zur Vernichtung von zwei Burgen (Krögelstein, Truppach II); eine blieb Ruine.

Die größte Zerstörungswelle brachte 1525 der Bauernkrieg. Völlig unvorbereitet stand der Adel der überraschend ausbrechenden Empörung seiner Untertanen gegenüber. In den Monaten April und Mai gingen 61 Burgen und Schlösser in Flammen auf. Die Wut der Aufständischen entlud sich auf Bamberger Gebiet. Markgräfliche und nürnbergische Territorien wurden geschont. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde ein erhebliches Strafgeld auf die Bauern des Hochstifts umgelegt. Mit ihm konnten 44 Burgen wieder aufgebaut werden. Dennoch blieben 17 Wehrbauten für immer in Trümmern liegen. Der Bauernkrieg hatte deutlich gezeigt, wie fragwürdig im 16. Jahrhundert militärische Bauten waren. Fast zwei Drittel des Burgenbestandes waren vernichtet worden. Nur ganz wenige, z. B. die Neideck, hatten den Aufständischen getrotzt.

Noch waren die Schäden des Bauernkrieges teilweise nur notdürftig behoben, da fegte der zweite Markgrafenkrieg durch das Wiesentländchen (1552/53). Auf bambergischem und nürnbergischem Landgebiet wurden zwölf Burgen von Markgraf Albrecht Alcibiades zerstört. Die Gegner des Markgrafen vernichteten im Vergeltungszug fünf Burgen (Betzenstein I und II, Dörnhof bei Untertrubach, Hiltpoltstein, Kunreuth, Leienfels, Neideck, Stierberg, Wartberg bei Pegnitz, Weiher i. Ahorntal, Wildenfels, Turm zu Wöhr(t); Böheimstein, Spies, Streitberg, Thuisbrunn, Zwernitz). Acht der 17 zerstörten Schlösser wurden nicht wieder aufgebaut.. Die Burgruine Neideck, deren Wiederaufhau geplant, aber nicht mehr ausgeführt wurde, erinnert noch an diesen unseligen Krieg

Bis zum Prager Fenstersturz 1618 erstürmten Bamberger Söldner zwei Burgen.. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden 25 Burgen zerstört, von denen acht nicht mehr aufgebaut wurden.. Als letzte Burg wurde 1796 Hagenbach von französischen Revolutionstruppen zerstört. Das 1691 erbaute Schloss Höchstaufseß fiel 1718 einer Feuersbrunst zum Opfer. Nach dem Westfälischen Frieden wurden Burgen und Schlösser kaum mehr von Feinden bedrängt. Der wirkliche Feind war nun die chronische Geldnot der Landesherren und Schlossbesitzer. Nur die wichtigsten Reparaturen führte man aus. Viele Burgen verfielen, wurden unbewohnbar und mussten abgebrochen werden.

Bereits 1476/81 wurde mit den Steinen des abgerissenen Oberwiesentfels das heutige Schloss Wiesentfels II errichtet. Mit den Ziegeln der 1643 aufgelassenen Burg Leienfels besserte man die schadhaften Dächer der Burg Pottenstein aus. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden sieben Schlösser abgebrochen. Gleich zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden der Fränkischen Schweiz zwei schwerwiegende Verluste zugefügt. Ohne zwingende Gründe brach man 1815 das "Alte Schloss" in Waischenfeld und fünf Jahre später den herrlichen Renaissancebau der Burg Streitberg ab. Das durch laufende Truppenstellung an Napoleon I. verpflichtete Königreich Bayern konnte mit dem ihm zugefallenen Burgenreichtum nichts anfangen und verkaufte viele Schlösser an Private. Und die machten aus den Burgen Geld. Dachziegel, Türen, Fenster, Ofenkacheln, Bretter und zubehauene Steine wurden herausgerissen und verkauft. Schlechtere Steinqualität diente den Bauern zu Schweineställen, den Rest besorgte die Witterung. 1816 wurde der Turm der Burg Pottenstein, 1827 Königsfeld I, zwischen 1830 und 1850 Mengersdorf, 1847 die talwärts gelegene Kemenate von Burggaillenreuth, 1850 Wolfsberg, 1855 Sachsendorf, 1859 Weiher im Ahorntal, 1867/68 Regensberg und 1890 Veilbronn II abgetragen.

Auch das 20. Jahrhundert zeigte keinen Sinn für historische Denkmäler. 1913 wurde Schloss Gunzendorf eingelegt. Nachdem man auf Wüstenstein schon 1867 die Schlosskapelle St. Maria abgebrochen hatte, trug man 1923 den Turm mit dem Südtor ab und beseitigte sinnlos bis 1953 sämtliche Ruinenreste. Schließlich fiel 1934 Unterweilersbach III der Spitzhacke zum Opfer. Leider brannte 1990 Guttenburg ab.

Wiederholt wurden Burgen umgebaut und völlig verändert. Burg Rabenstein, die 1490 entstand, hatte ein wesentlich verändertes Aussehen als die 1460/62 zerstörte mittelalterliche Vorgängerin. Streitberg erstand 1563/65 in völlig veränderter Form. Der Brandenstein-Bau von 1700 veränderte das Aussehen von Wüstenstein. Greifenstein wurde 1691/93 nach erfolgtem Abbruch neu aufgeführt, ebenso 1682/1718 Adlitz und 1701 Freienfels. Der Abbruch der alten, hochragenden Kemenaten von Freienfels bedeutete einen unersetzlichen Verlust; die Perle des oberen Wiesenttales war endgültig verloren. 1710 erfolgte der Neubau von Sachsendorf, 1710 bis 1729 von Pretzfeld, 1720 von Hagenbach, 1729 von Weiher a.d. Wiesent (I), 1761/64 von Wannbach und 1769/79 von Trockau. Schließlich sind noch teilweise Neubauten 1744 in Plankenfels, 1890 in Gößweinstein und 1976/77 in Rabenstein zu vermelden. Letzterer Umbau wurde in weiten Kreisen der Fränkischen Schweiz bedauert, weil mit ihm die malerische Halbruine und das reizvolle, einmalige Burggärtchen verlorengingen. Der Unverstand der Menschen ließ malerische Ruinenreste verschwinden, die heute den Besucherstrom angezogen hätten. So legte man 1840 die imposanten Mauerreste von Neuhaus a.d. Aufseß ein. Zur gleichen Zeit gingen die letzten Ruinenreste von Bieberbach und Plankenstein verloren.

Nur kurz möge hier auf einige Burgennamen eingegangen werden: Die mit dem Grundwort "-stein" und einem Personennamen gebildeten Burgennamen deuten auf eine Bauzeit von 1050 bis 1150. Zu ihnen zählen Albwinestein (Albuin), Betzenstein (Betzo), Dietrichstein (Dietrich), Egloffstein (Agilolf), Gößweinstein (Gozwin), Heroldstein (Herold), Hiltpoltstein (Hiltpold), Leupoldstein (Leupold), Pottenstein (Botho), Ulrichstein (Ulrich) und Wichsenstein (Wicker). Ebenfalls mit dem Grundwort "-stein", aber mit den Angreifer abschreckenden Eigenschaften gebildete Namen weisen auf eine Bauzeit von 1200 bis 1250. Dazu gehören Plankenstein und Wüstenstein. Der Name Leuenstein drückte aus, dass sich die Verteidiger mit dem Mut eines Leu - eines Löwen - wehrten. Namen mit dem Grundwort "-fels" lassen meist Tochterburgen vermuten: Leienfels entstand von Leuenstein, Plankenfels von Plankenstein und Wildenfels von Wildenstein. Auch das um 1250 erbaute Strahlenfels und das um 1300 errichtete Freienfels gehören zu dieser jüngeren Gruppe. Heraldische Namen liegen bei Bärnfels, Greifenstein, Rabeneck, Rabenstein, Schlüsselberg, Schlüsselstein, Spies, Strahlenfels und Stierberg vor.


Aus: Gustav Voit, Brigitte Kaulich, Walter Rüfer; Vom Land im Gebirg zur Fränkischen Schweiz - Eine Landschaft wird entdeckt. Verlag Palm & Enke, Erlangen 1992.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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