|
| |
Charlemagner - Prickelnder Apfelsekt
EBERMANNSTADT / FRÄNKISCHE SCHWEIZ. Seit kurzem gibt es
in der Fränkischen Schweiz ein neues Getränk, gewonnen aus
heimischen Obstsorten; einen Apfelsekt. Das besondere daran: er wurde vom Landkreis Forchheim, in
Person des Kreisfachberaters für Obstbau, Hans Schilling „erfunden“.
Damit soll einem der größten Obstbaugebiete Deutschlands eine neue
Vermarktungschance eröffnet werden.
Im
Herbst 2004 fand in Ebermannstadt erstmals ein Obstmarkt statt, der von den
Obst- und Gartenbauexperten des Landkreises Forchheim, Ernst Deutsch (Biologe)
und Hans Schilling (Diplomingenieur für Gartenbau) ins Leben gerufen worden war.
Birnen gab es da zuhauf und auch viele verschiedene Apfelsorten zu sehen und zu
kosten. Um zu demonstrieren, dass man Obst auch trinkend genießen kann, hatte
Schilling einen „selbst gebrauten“ Apfelsekt dabei, der bei den „Vorkostern“
während des Marktes auf ungeteilte Zustimmung und Ermunterung stieß. Daraus
entstand die Idee, „weiter zu forschen“ erinnert sich Deutsch. Ein Jahr später
(2005) gab es zum 1200-jährigen Geburtstag der Stadt Forchheim die ersten
Flaschen „behördlichen“ Apfelsekt, den man aus aktuellem Anlass „Charlemagner“
taufte. Das Wort stammt aus dem Französischen und steht für Kaiser Karl den
Großen. Im gleichen Jahr der Stadtgründung Forchheims (805) trug er mit der
Landgüterverordnung „capitulare de villis“ dafür Sorge, dass es überall im Reich
genügend Obst, Wein und Heilkräuter gab.
Grundlage für den Charlemagner ist ein Apfelwein aus
Früchten, die aus den zahllosen Obstgärten der Fränkischen Schweiz (es gibt hier
noch rund 3 000 Obstbauern) stammen. Seinen einzigartigen Geschmack erhält er
von alten Obstsorten. Im Herbst werden die Äpfel geerntet, nach dem Mosten in
Fässern zu Wein vergoren und danach in Flaschen abgefüllt. Durch Zugabe von
Zucker und Hefe wird der Wein in der Flasche erneut zur Gärung gebracht. Es
entsteht Kohlensäure, die dem Charlemagner die fein prickelnde Note verleiht.
Nach neun Monaten der Reife wird die Hefe durch Rütteln von Hand und
anschließendem Kühlbad mit einem lauten Knall aus der Flasche entfernt, „degorgiert“.
Danach bekommt er durch dosierte Zugabe von Grundwein und Zucker die gewünschte Geschmacksrichtung (Trocken oder
Halbtrocken). Anschließend wird der Sekt mit Naturkorken wieder verschlossen.
Nach vier weiteren Wochen der Lagerung entfaltet er sein volles Aroma. Jeweils
im Juni/Juli ist der „Neue“ dann verfügbar. Die „Krönung“ dieses
Edelschaumweines stellt der „Royal“ dar. Ein seltener Genuss. Er besteht nur aus
bestimmten Apfelsorten mit rötlichem Fruchtfleisch. Davon erhält er seine einmalige
Farbe und den ganz besonderen Geschmack. Insgesamt gab es im letzten Jahr nur
120 Flaschen, weshalb jede Flasche eine fortlaufende Nummerierung bekam.
Apropos Menge: Landrat Reinhardt Glauber (Forchheim) meinte einmal scherzhaft, dass
man den Kreishaushalt locker vom Charlemagner finanzieren könnte, wenn es
gelänge, zwei Millionen Flaschen im Jahr zu verkaufen. Na denn: Prost.
Den Namen „Charlemagner“ hat sich der Landkreis Forchheim
gesetzlich schützen lassen und er vergibt Lizenzen, mit denen der Apfelsekt
hergestellt werden darf. Allerdings unter strenger Aufsicht der Behörde, die
damit gewisse Qualitätsstandards garantiert. Derzeit gibt es fünf, bald sieben
Lizenznehmer und auch der Landkreis verkauft einige Flaschen Sekt, um die
Unterhaltkosten des „Sektkellers“ zu senken und die notwendigen Gerätschaften zu
finanzieren. Der Großteil allerdings, so versicherten die beiden Obst- und
Gartenbauexperten, werde für „Experimente“ verwandt, mit denen weiterhin am
Geschmack und an neuen Rezepten geforscht und gefeilt wird. Das kann der
„Erfinder“ Schilling (41) am Besten. Die klassische Methode der Flaschengärung
lernte er an der Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau im hessischen
Geisenheim von der Pike auf.
Das Obstanbaugebiet Forchheim- Fränkische Schweiz,
bekannt als eines der größten geschlossenen Süßkirschenanbaugebiete
Deutschlands, umfasst 3 485 Hektar Fläche und liegt zwischen Ebermannstadt und
Forchheim, rund um den Plateauberg „Walberla“ verteilt. Die letzte
Obstbaumzählung führte Ernst Deutsch vor vier Jahren durch. Demnach gibt es im
Landkreis Forchheim derzeit rund 172 000 Süßkirschenbäume, 122 000 Pflaumenbäume
und 109 000 Apfelbäume. Dazu kommen 49 000 Birnenbäume und 7 000 Walnussbäume.
Insgesamt also rund 460 000 Obstbäume. Um das Anbaugebiet weiter zu entwickeln
unterhält der Landkreis Forchheim Lehrgärten, in denen alte Sorten neben neuen
Entwicklungen erforscht und Anbaumethoden verbessert werden. Er bietet auch
zahlreiche Fortbildungskurse an und betreibt einen „Reiserkeller“, in dem sich
jeder Landkreisbürger mit den neuesten und auch alten Obstsorten „Edelreiser“
versorgen kann.
Weitere Infos und den Apfelsekt gibt es im
Landratsamt Forchheim, Dienststelle Ebermannstadt, Obers Tor 1. Telefon
09194-723-480 (Ernst Deutsch) oder Telefon 09194-723-475 (Hans Schilling).
www.lra-fo.de (Sachgebiet 43, Obst- und Gartenbau).
Mittlerweile können Sie dieses einzigartige Getränk bei
folgenden Produzenten erwerben:
Obstbauberatung am Landratsamt Forchheim, Oberes Tor 1,
91320 Ebermannstadt, Tel.: 0 91 94-72 34 75
Georg Beutner, Weingarts 11, 91358 Kunreuth, Tel.: 0 91
99- 3 66
Charlemagner Manufaktur GbR, Untere Bayerische Gasse 19,
91320 Ebermannstadt, Tel.: 0 91 94-91 53
Johann Deuerlein, Wölfersdorf 4, 91355 Hiltpoltstein,
Tel.: 01 72 81 18 1 77
Rosita Erlwein, Hundsboden 21 a, 91349 Egloffstein,
Tel.: 0 91 97-18 50
Walter Fahner GbR, Forchheimer Str. 25, 91338 Igensdorf,
Tel.: 0 91 92-99 76 40
Johann Schilling, Schellenberger Str. 54 a, 96049
Bamberg, Tel.: 09 51-51 93 54 88
Franz-Josef Weisel, Mittelehrenbach 57, 91359
Leutenbach, Tel.: 0 91 99-485
Alfred Zeiß, Oberlindelbach 2, 91338 Igensdorf, Tel.: 0
91 26- 28 79 21
| |
|