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34 Jahre Tourismuszentrale Fränkische Schweiz

EBERMANNSTADT. Im Frühjahr 1974 gründeten die Landräte der Landkreise Forchheim und Bayreuth die Tourismuszentrale als landkreisübergreifende Touristinformation des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz. Damit beschritten die Politiker touristisches Neuland, eine vergleichbare Einrichtung gab es seinerzeit nicht in Franken.

Die Geschichte des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz beginnt nachweislich 1951. Zu jener Zeit fand die Neugründung des Nordbayerischen Fremdenverkehrsverbandes (heute Tourismusverband Franken) in Nürnberg statt mit dem Ziel, möglichst bald kompetente Partner in ganz Franken zu mobilisieren, um den Tourismus in Franken neu zu installieren. In der Fränkischen Schweiz war dies der Fränkische Schweiz- Verein (FSV), der vier Jahre vorher durch den damaligen Landrat von Ebermannstadt, Dr. Rudolf Eberhard, wieder ins Leben gerufen worden war. Die entstandene Not durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zwang zum Handeln; in vielen Hotels und Gasthöfen waren Flüchtlinge und Besatzungstruppen einquartiert, die schlechten Straßenverhältnisse verhinderten wirtschaftlichen Aufschwung.

Daher war eine der ersten Aufgaben des fränkischen Verbandes die Gründung von regionalen Gebietsausschüssen, als "verlängerter Arm". Der FSV mit seinen bis dato 20 Mitgliedsgemeinden trat als einer der ersten Vereine dem Verband bei. Damit waren auch die touristischen "Grenzen" der Fränkischen Schweiz (mit den Ortsgruppen des Heimatvereins) vorerst gesteckt.

Dem Gebietsausschuss Fränkische Schweiz gehörte nachweislich der FSV-Geschäftsführer Heinrich Uhl seit 1951 als Obmann an. Der erste Jahresbericht des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz findet sich im Geschäftsbericht des Fremdenverkehrsverbandes Nordbayern e.V. aus dem Jahre 1957. In diesem Jahr war Rudolf Eberhard bereits der erste Vorsitzende des fränkischen Verbandes und bayerischer Finanzminister. Uhl lobte in diesem Rückblick den Fortschritt beim Straßenbau und, dass "nur noch ganz wenige Gasthäuser und Privatzimmer kein fließendes Wasser im Zimmer haben". Ein Jahr später konnte Uhl schon ganz konkret berichten, dass "Sportfischen" zu einer der beliebtesten Urlauberaktivitäten zählt. Pottenstein, Egloffstein und Gößweinstein bekamen 1958 als erste Gemeinden der Fränkischen Schweiz das Prädikat "Staatlich anerkannter Luftkurort". Ein Jahr später gaben Streitberg, Muggendorf, Behringersmühle und Gößweinstein, Egloffstein und Waischenfeld den ersten (gemeinsamen) Ortsprospekt nach dem Kriege heraus.

1960 berichtete Uhl, dass "immer mehr Busgruppen, durch Reisebüros vermittelt in die Fränkische kommen". Skandinavier, Niederländer und Engländer bevorzugen meist das Wiesenttal und hier besonders den Gasthof in Doos, zum Sportfischen und zum Wandern. Bis 1962 ging der Gebietsausschuss Fränkische Schweiz im FSV auf, Rechtsrat Uhl war seit 1951 auch Hauptvorsitzenden des FSV und bemühte sich, beide anspruchsvolle Posten unter "einen Hut" zu bringen. Den Gebietsausschuss betrachte er als Instrument, um Gäste in die Fränkische Schweiz zu locken, den FSV als Organisation, die sich vor allem um die touristische, infrastrukturelle Erschließung der Region kümmerte. Die Anlage und die Pflege von Wanderwegen waren die Aufgabenschwerpunkte. Aus Altersgründen gab Uhl beide Posten 1962 ab und damit trennten sich die Wege des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz und des FSV.

Auf seiner Jahresversammlung in Pottenstein, im Sommer 1962 wählte der FSV den Amtsnachfolger Eberhards, Landrat Franz Josef Kaiser aus Ebermannstadt, zum 1. Vorsitzenden des Heimatvereins. Das Amt des Gebietsausschussvorsitzenden ging an den damaligen Landrat von Pegnitz, an Dr. Heinrich Dittrich. Dieser kümmerte sich bis 1971 um die Belange des Fremdenverkehrs in der Fränkischen Schweiz. 1964 brachte er das erste Gebietsprospekt nach dem Krieg in einer Auflage von 54 000 Exemplaren unter die Leute, der Fremdenverkehr in Franken "boomte". Laut Geschäftsbericht des fränkischen Verbandes konnten die Übernachtungszahlen von 1954 auf 1964 auf rund 7,3 Millionen fast verdoppelt werden. Auch in der Fränkischen Schweiz entwickelte sich der Fremdenverkehr sehr positiv. Hatte Gößweinstein zum Beispiel 1957 noch 38 000 Übernachtungen, waren 1965 bereits 61 000 und 1974 rund 128 000 Übernachtungen gemeldet. Die Gäste kamen vor allem aus Nord- und Westdeutschland, aus den Niederlanden und aus Dänemark. 19 Gemeinden besaßen 1966 bereits eigene Ortsprospekte, wie Dittrich im Jahresbericht erwähnte.

Um dem steigenden Gästesaufkommen Rechnung zu tragen, legte der Gebietsausschuss 1967 eine neue Panoramakarte auf,  Auflage 240 000 Exemplare. Im gleichen Jahr gründete sich auf Anregung von Landrat Dittrich eine "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz" mit dem Gößweinsteiner Touristinfoleiter Heinrich Endrös an der Spitze. Diese verbuchte 1969 ihren größten Erfolg. Wie eine "Bombe" schlug das Reisepreisausschreiben der Werbegemeinschaft in diesem Jahr ein. 4600 Antworten erreichten das Gößweinsteiner Touristinfo, wo die Werbegemeinschaft ihren Sitz hatte. Preise im Wert von 10 000 Mark verloste sie bei dieser Aktion. Dadurch konnte allein Gößweinstein im Vergleich zum Vorjahr 400 Gäste mehr und damit insgesamt 6320 Gäste begrüßen, Behringersmühle meldete gar ein Plus von 14 Prozent.

1971, am 6. November übernahm der Forchheimer Landrat Otto Ammon das "Ruder" des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz. Landrat Dittrich ernannte er zum Ehrenvorsitzenden. Am 11. März 1972 veranstaltete Ammon in Ebermannstadt ein "Hearing", bei dem es vor allem darum ging, den Fremdenverkehr weiter zu forcieren. Im gleichen Jahr bezuschusste der Gebietsausschuss Reisevorschläge in einem Merian-Heft über die Fränkische Schweiz. 1973 forderte Ammon lautstark die Schaffung eines zentralen Tourismusbüros für die Region, das auch als Geschäftsstelle des Gebietsausschusses fungieren sollte.

Am 1.4. 1974 war es endlich soweit. Landrat Otto Ammon konnte im ehemaligen Landratsamtsgebäude in Ebermannstadt, zusammen mit Landrat Dr. Josef Kohut aus Bayreuth die "Tourismuszentrale Fränkische Schweiz" (TZ) installieren und eine entsprechende Zweckvereinbarung formulieren in der es heißt, dass die Hauptaufgabe der TZ "die Förderung des Fremdenverkehrs" sei. Im Rechenschaftsbericht von 1975 schrieb Ammon rückblickend: "Ich brauche meiner Freude über die Gründung einer Fremdenverkehrseinrichtung durch die beiden Landkreise Bayreuth und Forchheim nicht noch einmal zum Ausdruck bringen. Die Verhandlungen hierüber waren zäh, aber auch fair. Maßgebend scheint mir, dass die Einrichtung überhaupt zustande gekommen ist". Die erste Geschäftsführerin der Tourismuszentrale war Christl Thömmes, die durch ihren Mann, den Geschäftsführer des deutschen Fremdenverkehrsverbandes, beste Beziehungen zur internationalen Presse hatte. Mit dem Beginn dieser Ära hatte die "Werbegemeinschaft Fränkische Schweiz" ihren würdigen Nachfolger gefunden und stellte die Arbeit ein.

Eine der ersten Aufgaben der TZ war die Herausgabe eines "Erlebnispasses", der den Gästen Vergünstigungen in 15 Sehenswürdigkeiten gewährte. In den Folgejahren wurde die Messearbeit ausgebaut, verstärkt Anzeigenwerbung betrieben und weitere Gebietsprospekte erstellt. Der Aufwand lohnte sich. 1980 konnte die TZ 900 000 Übernachtungen registrieren, 1998 waren es bereits 1,6 Millionen Übernachtungen und fast neun Millionen Tagesgäste, die für einen touristischen Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro sorgten und den Tourismus damit endgültig zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine der Region werden ließen.

Zum 30. September 1991 ging Christl Thömmes in den wohlverdienten Ruhestand. Kurz zuvor gelang es ihr noch, innerhalb des ehemaligen Landratsamtes in den ehemaligen Sitzungssaal umzuziehen, dorthin wo die TZ noch heute ihre Büroräume hat. Seit 1.10.1991 ist Franz Xaver Bauer aus Kleingesee, der ehemalige Leiter der Touristinformation in Gößweinstein Leiter der Tourismuszentrale mit zwei Angesellten. Seit 1971 wird der jeweilige Landrat des Landkreises Forchheim auch zum Ersten Vorsitzenden des Gebietsausschuss Fränkische Schweiz gewählt. Seit dem Frühjahr 1997 heißt der Chef nun Reinhardt Glauber. Er setzte gleich neue Maßstäbe und ging er daran, das Radwegenetz der Fränkischen Schweiz zu überarbeiten und zu erweitern, wozu eigens eine zusätzliche ABM-Stelle geschaffen wurde. Sein (grenzüberschreitendes) Radwegekonzept genießt mittlerweile in Nordbayern große Anerkennung und findet immer mehr Nachahmer.

Der Stellvertreter im Amt des Gebietsausschussvorsitzenden war  bis zu seiner Pensionierung im März 2008 der Bayreuther Landrat Dr. Klaus-Günter Dietel (als Nachfolger Dr. Kohuts). Hermann Hübner, vormaliger Bindlacher Bürgermeister ist seit Mai 2008  nun der Amtsnachfolger Dietels als Landrat und stellv. Gebietsausschussvorsitzender.

Seit 1976 ist der Landkreis Bamberg (mit dem Raum Heiligenstadt) und seit 1986 der Landkreis Kulmbach (mit den Gemeinden Thurnau, Wonsees und Kasendorf) dem Gebietsausschuss angeschlossen, so dass die Tourismuszentrale nunmehr in vier Landkreisen tätig ist.

Reinhard Löwisch

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
(C) Tourismuszentrale Fränkische Schweiz 1996-2008