Forchheim - Fränkische Schweiz: das größte Süßkirschenanbaugebiet Deutschlands

Die neue Kirschenkönigin heißt Michaela I. 

Michaela Kupfer ist 1986 geboren und wohnhaft in Hausen bei Forchheim. Nach der mittleren Reife 2002 folgte eine dreijährige Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten am Landratsamt Forchheim. Anschließend besuchte sie die Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin. Seit 2008 ist sie im Fachbereich 44, Wasserrecht, an der Dienststelle in Ebermannstadt tätig. Sie spielt die Trompete im Musikverein Heroldsbach und im Auswahlorchester von Oberfranken.

Mehr als 200 000 Kirschbäume gibt es bei uns. Verteilt auf 2500 Hektar Fläche und betreut von ca. 1950 Kirschbauern, die im Frühjahr und Sommer fast täglich auf den "Feldern" zu finden sind, um die Früchte der Arbeit zu ernten. Als engagiertes „heimisches Gewächs" helfe ich gerne mit, unsere Kirsche einem breitem Publikum bekannt zu machen.

 Die bisherigen Kirschenköniginnen:

  • Doris (Fahner) I. 2000-2002
  • Kathrin (Deuerlein) I. 2002-2004
  • Heidi (Polster) I. 2004-2006
  • Kathrin (Wölfel) II. 2006-2009

Kurzbeschreibung des Obstanbaugebietes, von Tobias Vogel

Lage:

Der Anbau befindet sich auf einer Höhe von 280 - 400 m über NN an den frostfreien Hängen der Täler und von 400 - 550 m über NN auf den meist ebenen Hochflächen des Jura.

Klima:

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt je nach Höhenlage bei + 7,4 bis + 8,2 Grad Celsius. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt zwischen 650 und 900 mm pro Jahr. Durch die verschiedenen Höhenlagen ergibt sich eine Blüte- und Reifeverzögerung von ca. 10 - 14 Tagen.

Baumzahl:

Die letzte Obstbaumerhebung fand 2003 im Landkreis Forchheim statt. Dabei wurden folgende Daten vom Kreisfachberater für Gartenkultur Ernst Deutsch ermittelt:

Süßkirsche 200.000 Bäume, Pflaume etc. 122.000 Bäume, Apfelbäume gibt es 109.000, dazu 49.000 Birnbäume und 7.000 Walnussbäume. Alles zusammen ca. 484.000 Obstbäume, verteilt auf ca. 3485  Hektar Fläche. Das Obstanbaugebiet „Forchheim - Fränkische Schweiz“ ist damit eines der größten geschlossenen Süßkirschenanbaugebiete in der Bundesrepublik und darübe hinaus.

Erzeugung:

Die Produktionsleistung ist wegen der witterungsbedingten Anfälligkeit des Steinobstes sehr schwankend. Sie beträgt bei der Süßkirsche zwischen 1.000 und 8.000 Tonnen, bei der Zwetschge zwischen 500 und 8.000 Tonnen. 94 Prozent der bayerischen Süßkirschenernte stammen aus dem Anbaugebiet Forchheim-Fränkische Schweiz

Leistungen des Landkreises Forchheim:

Landrat und Kreistag haben die wirtschaftliche Bedeutung des Obstbaues früh erkannt und nachhaltig gefördert. Der Landkreis Forchheim betreibt seit 1961 einen Kirschen- Reiser- Schnittgarten. Er hat seit 1974 die Trägerschaft für die inzwischen auf 9 Hektar erweiterte Kirschenversuchspflanzung an drei Orten im Landkreis übernommen. Der Landkreis beschäftigt mit Hans Schilling einen eigenen Fachberater für Obstbau. Ziel der Anbauberatung ist die Erhaltung und wirtschaftliche Verbesserung des die Landschaft prägenden Obstbaues.

Anschrift des Fachberaters:
Hans Schilling, Kreisfachberater für Obstbau im Landkreis Forchheim,Oberes Tor 1, 91320 Ebermannstadt. Tel.: +49 9194-723-475, Fax: -723-402


Zur Geschichte des Obstanbaus in der Fränkischen Schweiz

Zum unverwechselbaren Landschaftsbild der Täler und Hänge der südlichen Fränkischen Schweiz gehören die typischen Obstgärten. Im Frühling fasziniert die helle Blüte der Kirsche und nur wenige Tage später beherrschen die weiß-rot gesprenkelten Apfelblüten die Flächen unterhalb der bewaldeten Höhenzüge. Von Mitte Juni bis August ziehen dann die "Kerscht'nzupfer" durch die Baumreihen und pflücken die roten Edelkirschen in die Körbe; der Erntereigen wird mit der Zwetschge fortgesetzt. Erst im Herbst gelangen dann auch die frischen Äpfel und Birnen zu den erwartungsfrohen Kunden, von denen sich die besonders gewitzten bereits an den zahlreichen Straßenständen zu versorgen trachten. Der Obstbau am südlichen Rande der Fränkischen Schweiz kann bereits auf eine respektable Tradition zurückblicken.

Mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Obstanbau

Mit der außerordentlichen Rolle der Sonderkulturen im Nürnberger Umland befasste sich schon Ernst Mummenhoff in seinem umfangreichen Aufsatz ,Geschichtliches über Ackerbau und Gartenwirtschaft in Nürnbergs Umgebung". Demnach waren über Erlangen hinaus nach Bamberg hin, wo die Baumgärten heutzutage noch nichts Seltenes sind und der Fruchtbaum auch in den Wiesen und auf den Rainen angepflanzt wird, ... die Obstgärten in früherer Zeit die Regel" (S.49). Von Äpfeln waren laut dieser Untersuchung einzelne Sorten schon im 15. Jahrhundert bekannt, und Birnen tauchen ebenfalls zu dieser Zeit bereits in Quellenmaterialien auf.

Im darauf folgenden Jahrhundert weitet sich die Palette an Obstsorten im Nürnberger Umland erheblich aus: In einem Verzeichnis von 1697 sind, so Mummenhoff, "nicht weniger als 153 Äpfel- und 165 Birnensorten genannt, die aus der näheren und weiteren Umgebung von Nürnberg, wohl hauptsächlich von Forchheim und Bamberg her, auf den Markt gebracht wurden". Die so genannte "welsche Kirsche" wird in Nürnberg erst um 1616 bekannt und in einer zeitgenössischen Quelle ausdrücklich als "eine neue Speis" bezeichnet. Die Zwetschge und die Walnuss werden erst in der 2. Hälfte des 17.Jahrhunderts häufiger genannt und dürften vorher keine größere Rolle gespielt haben.

Neben diesen heute noch betriebenen Sonderkulturen fiel seit dem 14.Jahrhundert zunehmend dem Wein- und Hopfenanbau eine nicht zu unterschätzende Rolle zu. Während der Weinanbau nach dem Dreißigjährigen Krieg erstirbt, nimmt der Hopfenanbau im 17. Jahrhundert rapide zu. Reste dieses Hopfenanbaus haben sich bis heute erhalten. Auch der Tabakanbau gewinnt im 17. Jahrhundert an Bedeutung. Obwohl diese Sonderkultur noch 1654 in Franken und Hessen mit einem völligen Verbot belegt wurde, akzeptiert der Rat der Stadt Nürnberg den wilden Anbau.

Daher verwundert es nicht, dass im Jahre 1667/68 dem städtischen Schauamt 2.700 Zentner Tabak, 1668/69 über 6.000 Zentner und 1669/70 etwa 4.000 Zentner zur Festsetzung des "Schaugeldes" vorgelegt werden, wobei die Dunkelziffer nicht unterschätzt werden darf. Bereits wenige Jahre später war "der um Nürnberg gebaute Tabak von allen deutschen der beste".

Eine nicht unbedeutende Rolle dürfte bei der Verbreitung auf dieser Sonderkulturen im Gräfenberger Gebiet das Kloster Weißenohe gespielt haben, das nicht nur seinen eigenen Weinberg betrieb sondern auch Kontakte zu den Obstbauern im näheren Vorland von Nürnberg pflegte. Der bekannte Stich von dem Kloster aus der Zeit um 1.700 zeigt einen großen Obstgarten auf der Südseite. Diverse Autoren sprechen im Bezug auf dieses Kloster sogar von einem Obstanbau seit der Gründung (um 1050)

Der Obstbau im 18. Jahrhundert

Einen gravierenden Rückschlag erlitt dieser frühneuzeitliche Obstanbau in den Jahren 1709 und 1740, als infolge starker Kälte und ungewöhnlich starker Schneefälle die meisten Obstkulturen am Südrand der Frankenalb abstarben. In dieser besonderen Notzeit erkannte der von 1748 bis 1764 in Gräfenberg amtierende Pfleger von Oelhafen angesichts der hier vorherrschenden geologischen und klimatischen Vorteile die mit einem systematischen Obstbau verbundenen Chancen und legte am Sollenberg eine große Baumschule an, in der besonders Kirschen und Zwetschgen herangezogen wurden. Aber auch Nuss-, Äpfel- und Birnbäumen galt die Fürsorge des Pflegers. Diese so gezogenen Bäume ließ er auf den zahlreich vorhandenen Hutstellen in regelmäßigen Abständen einsetzen. Doch die von seinem Eifer betroffenen Bauern dankten diese wirtschaftliche Unterstützung nicht immer und so blieb die Klage beim Nürnberger Rat nicht allzu lange aus, der Pfleger "beschädige mit seinen Pflanzungen die Huten" (Ackermann, S. 135).

Trotzdem scheint der Obstanbau in der Folgezeit immer mehr an Bedeutung gewonnen zu haben, zumal ja mit der Anpflanzung von Hochstämmen durchaus ein Kompromiss zwischen Hut und Obstbau geschlossen werden konnte. So kann Georg August Goldfuß im Jahre 1810 in seinem Buch "Die Umgebungen von Muggendorf" bezüglich der heutigen Fränkischen Schweiz konstatieren: "... der Bürger in den Marktflecken und Landstädten treibt Handwerke, Brandweinbrennerey und vorzügliche Bierbrauerey" (S. 346), "die Bergabhänge, an denen man durch angesetzte Mauern Land zu gewinnen suchte, sind zuweilen mit Hopfen, gewöhnlich aber mit Obst, angebauet, und in guten Jahren gewinnet die Gegend viel durch die Ausfuhr von Walnüssen und gedörrten Pflaumen (Zwetschgen)" (S. 347).

In der Mitte des 19. Jahrhunderts unternehmen im Gräfenberger Umland der Kaufmann Schedl und der Fabrikant Fuchs einige von viel Idealismus getragene Versuche, um den Obstanbau am Südrand der Fränkischen Schweiz z intensivieren. Auch die Pfarrherrn verschiedener Gemeinden beteiligen sich eifrig mit praktischen und theoretische Hilfen an diesem ökonomischen Stützprogramm. Hierbei dürften wohl ihre besonders tiefen Einblicke in die gravierenden sozialen Probleme der ländlichen Bevölkerung als Motivation gedient haben, denn als "Gehilfen der öffentlichen Armenpflege" hatten die Pfarrer nach der Verordnung zum Armenwesen vom 17. November 1816 als „Kontrolleure vor Ort“ ihr Hauptaugenmerk auf die Beobachtung bedenklicher sozialer und sittlicher Entwicklungen in den Familien zu richten (Wolf, in: ZbKG 59/1990, S. 215-245).

Ziel all dieser Bemühungen im Obstbau ist grundsätzlich, sowohl große Obstbaumreihen anlegen zu lassen als auch unterhalb der hochstämmigen Bäume genügend Raum für den Anbau der verschiedenen Feldfrüchte bereitzustellen. So wurde angesichts der bei vielen Kleinbauern sehr wichtigen Unterkulturen zu dieser Zeit besonderer Wert auf hochragende Obstbaumformen gelegt.

Charakteristisch für diesen Obstbau des 19. Jahrhunderts ist, dass er von Kleinbauern betrieben wird, die vor allem infolge der damals noch üblichen fränkischen Erbschaftsregelung mit Güterzertrennungen auf kaum Existenz sicherndem Ackerland wirtschafteten. Für sie stellte, wie auch schon in den Jahrhunderten zuvor, der Obstbau eine Sonderkultur dar, die angesichts der überschaubaren Größen der Anbauflächen und der vorhandenen relativ großen Kopfzahl in den Familien trotz ihres hohen Pflegeaufwandes sinnvoll betrieben werden konnte. Gewinn versprach aber eine derartige Obstbaumkultur nur dann, wenn man streng an der Marktlage orientiert weit über den eigenen Bedarf hinaus produzieren konnte - zumal ja die witterungsbedingten Gefährdungen zur jeweiligen Blüte- und Erntezeit in die längerfristige Wirtschaftsrechnung miteinbezogen werden mussten.

Zum heutigen Obstbau in der Fränkischen Schweiz

Die Grundlinien dieser Tradition des Obstbaues wirkten noch einige Jahrzehnte in das 20.Jahrhundert hinein und gelegentlich lassen alte Anlagen die konzeptionellen Grundlinien der Obstkultur aus dem 19. Jahrhundert erkennen. Doch in jüngerer Zeit hat der Zwang zur Doppelkultur (oben Obstnutzung, darunter verschiedener Feldfrüchte bzw. Hutweide) weitgehend an Brisanz verloren, so dass heutzutage die "Unnatürlichkeit" des hochstämmigen Kirschbaumes aus biologischen Gründen wieder ins Bewusstsein gerufen werden kann. Dies korrespondiert mit Argumenten der Pflegeleichtigkeit sowohl im Bereich der Wurzel als auch in dem der Krone und schließlich darf nicht übersehen werden, dass die niederwüchsigen Sorten wesentlich leichter und sicherer vom Boden aus abgeerntet werden können.

Gerade aber im Interesse einer hohen Geschmacksqualität muss der Bauer seinen Obstbäumen eine stete Pflege zukommen lassen. Dies ist auch deshalb wichtig, da angesichts der relativ späten Erntezeit in unseren Landstrichen die Produktion von Obst in erster Linie auf den Frischmarkt ausgerichtet sein muss. Eine Belieferung nur der Märkte in den benachbarten Großstädten wäre daher viel zu kurzsichtig. Der Blick muss vielmehr geweitet werden; heute finden sich etwa 70 % der Kirschen aus der Fränkischen Schweiz nicht nur im übrigen (anbaufreien) bayerischen Raum sondern auch auf den Märkten von Berlin, Hamburg, Bremen, Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Frankreich, England und Skandinavien.

Die ca. 3000 Obstbauern haben sich mittlerweile in fünf Erzeugerorganisationen zusammengeschlossen, die ihren Sitz in Igensdorf, Pretzfeld, Mittelehrenbach, Neunkirchen am Brand und Langensendelbach haben. Der Landkreis Forchheim hat es sich darüber hinaus zur Aufgabe gemacht, den Obstbau auch von seiner Seite her nachhaltig zu fördern: Er betreibt daher seit 1961 einen eigenen Kirschenreiser- Schnittgarten; eine vom Landkreis mitgetragene Kirschenversuchspflanzung unterhält Versuchsfelder in Hiltpoltstein, Lützelsdorf und Buckenreuth. Gerade in Hiltpoltstein wird auch seit 30 Jahren intensiv die Auswirkung des wirtschaftlich sinnvollen Obstbaus auf die Bienenzucht erkundet; in Lützelsdorf wurde zu diesem Zwecke ein eigener „Kreisbienenlehrstand“ eingerichtet, um die Natur gegebenen gegenseitigen Wechselbeziehungen genauer vermitteln zu können. Die Versuchsfelder betreut der Kreisfachberater für Obstbau des Landkreises Forchheim, Tobias Vogel.

Ziel all dieser Bemühungen ist die Erhaltung und wirtschaftliche Verbesserung des Landschaftsbild prägenden Obstbaues, um auch den gehobenen Ansprüchen des Marktes jederzeit zu entsprechen. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Obstbaues, der in erster Linie der Versorgung des Frischmarktes und erst in zweiter Linie der industriemäßigen Verwertung in Brennereien, Mostereien oder in Konservenfabriken zukommt, wäre es vielleicht zu wünschen, wenn auch bei uns der Most an Beliebtheit gewinnen und die Erschwinglichkeit von Fruchtgetränken in Gastwirtschaften preislich interessanter gestaltet werden würde. Denn nur wenn das mit viel Mühe und Sorgfalt gezogene Produkt "Obst" auch wirklich den Konsumenten erreichen kann, lohnt sich auch in Zukunft dieser gewaltige Aufwand des auf Nebenerwerb angewiesenen Landwirtes.

Literatur:

(1) Hans Ackermann, Gräfenberg in Vergangenheit und Gegenwart. Stadt Gräfenberg 1973

(2) Georg August Goldfuß, Die Umgebungen von Muggendorf. Johann Jacob Palm. Erlangen 1910

(3) Ernst Mummenhoff: Geschichtliches über Ackerbau und Gartenwirtschaft in Nürnbergs Umgebung (erstmals 18 95). In: ders., Aufsätze und Vorträge zur Nürnberger Ortsgeschichte. Verlag Ernst Fromm und Sohn. Nürnberg 1931, S. 1-93

(4) Hans Schaub, Auswanderung aus Oberfranken nach den Vereinigten Staaten von Amerika im 19. Jahrhundert. Bamberg 1989

(5) Gerhard Philipp Wolf, Evangelische Kirche und staatliche Armenpflege im Bayern des 19. Jahrhunderts. Der Landpfarrer als Vorstand des lokalen Armenpflegschaftsrates. In: ZbKG 59/1990, S.215-245

(6) Walter Tausendpfund und Gerhard Philipp Wolf, Armut auf dem Lande. Zur sozialen Situation der Unterschichten in der Fränkischen Schweiz im 18. und 19.Jahrhundert (I.Teil). In: Altnürnberger Landschaft/Mitteilungen 40. Jg. Heft 1 (Mai 199 1), S. 317-339.

Wertvolle mündliche Hinweise verdanke ich Tobias Vogel/Hiltpoltstein. (ehem. Kreisfachberater für Obstbau im Lkr. Forchheim.)

Walter Tausendpfund
Aus: Die Fränkische Schweiz, Heft 4/1991