| Der Tourismus in der Fränkischen Schweiz begann offiziell 1793 mit der
literarischen "Pfingstreise" der beiden Erlanger Studenten Heinrich
Wackenroder und Ludwig Tieck durch die Region. Damals hieß die Gegend noch "Muggendorfer
Gebürg", ein Begriff unter Höhlenkundlern seit 1774. In jenem Jahr
veröffentlichte der Uttenreuther Pfarrer Friedrich Esper erstmals ein in
mehrere Sprachen übersetztes Höhlenbuch über seine Entdeckungen
„merkwürdiger Thiere“ in der Zoolithenhöhle. Damit begann die
naturwissenschaftliche Höhlenforschung und der „Höhlentourismus“, wurden
Gelehrte und Literaten (Jean Paul, J. M. Füssel usw.), Professoren mit ihren
Studenten in die Fränkische Schweiz "gelockt". In zunehmenden Maße
benötigten die "Reisenden" Informationen über das "neue" Reisegebiet
daher kam
1804 der erste "Wanderführer" auf dem Markt.
1815 tauchte der Begriff "Fränkische Schweiz" zum ersten Mal in einem
Reiseführer des Johann Christian Fick in der
"Historisch-topographisch-statistischen Beschreibung von Erlangen und seiner
Umgebung" (Seite 108) auf; vermutlich war er vorher in der Schweiz gewesen, das ja
seinerzeit als erstes europäisches Urlaubsgebiet (Wintersport) populär war.
Und auch der Erlanger Zoologieprofessor Georg August Goldfuß sprach sich
kurz danach in seinem Reiseführer dafür aus, den Maßstab zum Vergleich „aus
Helvetien“ zu holen. "Was du in der Schweiz vorfindest, findest du hier im
verjüngten Maßstabe wieder". 1820 nannte ein Lokalpoet (Rentamtaktuar Jacob Reiselsberger aus Waischenfeld ) die Gegend
sogar "Kleine Schweiz" und Joseph
Hellers berühmter Reiseführer von 1829 hieß dann entsprechend: "Muggendorf
und seine Umgebung, oder die Fränkische Schweiz". einige Jahre später, 1850 betitelte der
Touristenführer Edwin Müller sein Handbuch mit: "Die berühmtesten Muggendorfer Höhlen in der Fränkischen Schweiz".
Um 1856 setzte sich der Name
"Fränkische Schweiz" endgültig als „touristischer Kunstbegriff“ durch.
Apropos Schweiz: im Frühjahr 1992 flatterte dem damaligen Landrat Otto
Ammon als Chef des Gebietsausschusses Fränkische Schweiz ein Schreiben des
Schweizer Verkehrsbüros in München auf den Tisch, im dem die Erstellung
einer Skulptur vor dem Berner Bundeshaus mit 44 Steinen aus Gebieten mit der
"Schweiz" im Regionsnamen aus allen fünf
Kontinenten angekündigt wurde; ein Stein aus der „Fränkischen“ Schweiz
sollte dazu gehören. Hintergrund dieser Aktion war eine
Marketing-Untersuchung in der festgestellt wurde, dass es weltweit 192 mal
die Regionsbezeichnung „Schweiz“ gibt, darunter allein 67 mal in
Deutschland. Am 10. August 1992 fand die feierliche Übergabe des Steines
(zusammen mit einem Stein aus der Sächsischen Schweiz) in
Ebermannstadt statt. Als Erinnerung daran steht noch heute vor dem
Landratsamtsgebäude Ebermannstadt ein Wegweiser in die Schweiz (419
Kilometer) und ein Dolomitstein aus dem „von Pölnischen Forst“. Am 22.
September 1992 wurde die „Steinskultpur“ vor dem Berner Bundeshaus
eingeweiht. Schon damals entstand die Idee, einen „Fernwanderweg“ von hier
in die Schweiz anzulegen. Daraus wurde leider nichts, weil die Gebiete ohne
die „Schweiz“ im Namen kein Interesse hatten. Doch jetzt gibt es ja einen „Frankenweg“
und der ist sogar 520 Kilometer lang.
Reinhard Löwisch
Zurück |