Ostern in der Fränkischen Schweiz

Osterbrunnen mit Schriftzug Frohe Ostern

Der Größte:

In Bieberbach bei Egloffstien befindet sich laut Guinessbuch der Rekorde, "der größte Osterbrunnen der Welt" mit mehr als 11 000 handbemalten Eierschalen. Bieberbach ist ein kleines unscheinbares Dorf auf der Jurahöhe. Es liegt an der Straße zwischen Gößweinstein und Egloffstein. Der Bieberbacher Brunnen ist jedes Jahr ab Palmsonntag bis etwa zwei Wochen nach Ostern (je nach Wetterlage) geschmückt.

Der Älteste:

Der alten Brauch des Osterbrunnenschmückens wird seit mehr als 100 Jahren in der Region durchgeführt. Nachweisbar in Aufseß und Engelhardsberg. Mittlerweile gibt es Osterbrunnen in ganz Bayern und darüber hinaus, aber an das "Original" aus der Fränkischen Schweiz kommt keiner heran.

Der durchschnittlichste:

Ein "durchschnittlicher" Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz umfasst etwa 80 laufende Meter Girlandenschmuck (aus Fichtenzweigen gebundene Bögen) mit rund 2000 handbemalten Eierschalen verschiedener Größen verziert. Mindestens einen Tag (je nachdem wie viele Menschen mithelfen) dauert es, die Girlanden zu binden (etwa 20 cm lange Fichtenzweige werden mit Draht um eine Eisenstange gebunden), einen halben Tag dauert das Aufstellen des Gerüstes, einen Tag das Schmücken der Girlanden mit den vorher in zahllosen Stunden handbemalten Eierschalen heimischer Hühner. Dazu kommt vielfach noch umfangreicher Blumenschmuck. Das Bemalen einer Eierschale dauert in der Regel mindestens zwischen ein und zwei Stunden. Die ausgeblasene Eierschale wird mit Essig gereinigt, danach wird das Motiv mit Bleistift vorgezeichnet, danach bemalt und mit Haltestab (zum Stecken) oder Fäden zum Aufhängen versehen, danach wird die Eierschale mit einem wetterfestem Lack versiegelt. Eine Neuauflage des Brauches geschah laut Claudia Schillinger (Buch: Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz) in den 60 Jahren des vergangenen Jahrhunderts, nachdem das Osterbrunnenschmücken während des zweiten Weltkrieges nicht ausgeübt wurde und in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts "einzuschlafen" drohte.

Entstehung des Brauches

Hauptgrund für das Schmücken der Brunnen und Quellen zur Osterzeit ist vor allem in der Bedeutung des Wassers für die Existenz von Leben schlechthin - vor allem für die wasser-arme Hochebene der Fränkischen Schweiz. Speziell dem Osterwasser schrieb der Volks-mund früher außerdem besondere Wirkung zu. Kinder, mit frisch geweihtem Wasser an Ostern getauft, sollten besonders klug werden. Das Trinken von Osterwasser schützt gegen Krankheiten, das Osterwasser im Haus verspritzt, hält Ungeziefer fern. Und manches mal kann man in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags noch junge Mädchen sehen, wie sie "verstohlen" in den Osterbrunnen blicken. Hier sehen sie dann das Gesicht ihre künftigen Ehemannes.

Vor der Einrichtung der uns heute so selbstverständlichen, zentralen Wasserversorgung legte die Bevölkerung in den Dörfern der Fränkischen Schweiz Zisternen und "Hüllen" an, um das kostbare Nass aufzufangen. Aufgrund der besonderen geologischen Verhältnisse des fränkischen Juras (wasserdurchlässiger Dolomit- und Kalkstein) mit seinen tiefen, mäan-dernden Tälern und lang gestreckten Höhen lagen die natürlichen, spärlichen Quellen immer am Grund des Tales, hier sprudelte frisches Wasser, von hier musste es früher recht mühsam in "Butten" und auf Kuh bespannten Wagen in die Bergdörfer geschafft werden. Mancherorts auf der Höhe wurden daher bis zu hundert Meter tiefe Stollen gegraben, um an das Grundwasser zu gelangen. Diese enorm aufwendig gebauten Brunnen schützte man (z.B. wie in Betzenstein, Birkenreuth, Schloss Greifenstein, Burg Pottenstein) mit einem aufwändig gemauerten Brunnenhaus.

Eine zeitliche Fixierung des Osterbrunnenschmückens ist nicht genau möglich. Mündliche Überlieferungen datieren den Brauch in den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. In Aufseß beispielsweise schmückten die Einwohner nachweislich um 1909 den ersten Osterbrunnen, in Engelhardsberg (Gemeinde Wiesenttal) begann man damit 1913. Das Schmücken des Osterbrunnens beginnt zunächst mit dem Säubern der Anlage, dem so genannten "Brunnen fegen". Übten diese Tätigkeit früher nur die jungen Burschen aus, so tun dies heute entweder die den Brunnen schmückenden Frauen oder deren Ehemänner, meistens im (Fränkische Schweiz-) Verein organisiert. Danach wird der Brunnen geschmückt, im Volksmund spricht man dabei vom "Brunnen putzen". Als Schmuck dienen ausgeblasene und das Jahr über gesammelte komplette Eierschalen, die einfarbig oder auch künstlerisch bemalt oder verziert sind. Zum Schmuck des Brunnens gehören weiterhin einzelne oder büschelweise gebundene Papierbänder, die so genannten "Pensala" und Girlanden aus Fichtenzweigen, um den Brunnen gewunden oder zu Gerüsten und Kronen geflochten. In vielen Orten ziert zusätzlich echter Blumenschmuck die Osterbrunnen. In der Woche vor Ostern werden u.a. die beiden berühmten Osterbrunnen in Bieberbach und Heiligenstadt geschmückt. Man kann tagsüber zusehen, wie viel zeitraubende Mühe dahinter steckt. Die meisten Brunnen werden jedoch erst (wie es der Brauch will) am Karfreitag aufgestellt.

Eine Liste mit den Gemeindezugehörigkeiten der o.g. Ortschaften finden Sie hier.

Stand: Februar 2012