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Frühjahrscheck fürs Mountainbike

Vom Cockpit bis zum Schaltwerk

Nach der Winterpause können es Mountainbike-Fans kaum erwarten, die erste Tour zu machen und die Saison einzuläuten. Bevor man über das Gelände flowen kann, muss das Bike erst startklar gemacht werden. Was ist zu beachten, wenn das Bike aus der Garage oder dem Keller kommt? Ein Frühjahrscheck sorgt für ungetrübtes Fahrvergnügen. - Dieser Beitrag ist powered by CANYON

Welches Zubehör braucht man für den Check-up?

Idealerweise hat jeder MTB-Fahrer eine kleine Werkzeugtasche griffbereit. Für den jährlichen Frühlings-Check empfehlen sich:

  • Montierhebel und Inbusschlüssel
  • Lappen, Bürste, lauwarmes Wasser und Spülmittel
  • Sprühöl, Kettenöl, Teflonspray
  • Kettenlehre und Kettennieter
  • Luftpumpe
  • Lager- bzw. Zweiradfett (Achtung! Kein Fett an Carbon: Hier ausschließlich spezielle Montagepaste verwenden)

Vom Cockpit bis zum Schaltwerk

Beim Check-up werden alle Bestandteile des MTB sorgfältig geprüft:

1. Rahmen
  • Alle Verbindungstellen weisen keine Schäden an der Oberfläche auf – dazu gehören sichtbare Dellen, Knicke oder Risse.
  • Beschädigungen wie zu Beispiel durch verdreckte Reifen: Geschliffene Kettenstreben lassen sich gut feststellen, nachdem die Risikostellen mit etwas Seifenlauge gereinigt wurden.
2. Reifen und Räder
  • Die Räder sitzen fest in der Gabel bzw. im Hinterbau und lassen sich leicht und „rund” drehen. Dabei sind weder seitlich aufgeplatzte Reifen, nochgebrochene Achsen, gerissene Speichen oder Fremdkörper wie eingebohrte Steinchen zu erkennen.
  • Die Räder lassen sich nicht zu stark seitlich hin und her bewegen: Andernfalls wird das Spiel in der Nabe jeweils über das Lager nachjustiert.
  • Der Reifendruck ist geprüft: Für Mountainbikes liegt dieser je nach Herstellerempfehlung zwischen 2-2,5 bar.
  • Beide Reifen haben genug Profil: Bei stark abgefrästen Stollen im mittleren Bereich bekommt besonders der Hinterreifen bergauf keinen Grip und bremst spürbar schlechter.

Tipp: Vorderreifen nutzen sich meist nicht so stark ab wie Hinterreifen. Es lohnt sich daher, einen neuen Reifen vorn und den gebrauchten Vorderreifen am Hinterrad zu montieren.

 3. Vorbau und Cockpit

  • Der Lenker lässt sich nicht gegen das Vorderrad verdrehen; der Vorbau sitztdemnach fest in der Gabel.
  • Das Lenkungslager hat kein Spiel: Die Vorderradbremse ziehen, das obere Lager mit zwei Fingern umgreifen, dann das Rad kräftig vor- und zurückschieben. Bei zu viel Spiel den Vorbau lösen und die Vorbauschraube vorsichtig nachziehen. Hier reicht oft eine Viertelumdrehung nach rechts.
  • Der Lenker ist gerade ausgerichtet: Das Oberrohr des Rahmens und das Vorderrad bilden eine Linie.
  • Das vordere Lager läuft glatt: Durch Bewegen des Lenkers lässt sich akustisch feststellen, ob gegebenenfalls eine Fettpackung nötig ist.
  • Das Cockpit ist an die Anatomie des Fahrers und die geplanten Strecken angepasst: Ein tief eingestellter Vorbau verbessert die Steigfähigkeit bergauf.Ein höherer Vorbau sorgt für Fahrkomfort und bessere Kontrolle bergab. Als Kompromiss wird zwischen der Oberkante des Sattels und den Lenkergriffen etwa eine Handbreit Luft gelassen.

Tipp: Abgewetzte Gummigriffe führen zu Schwielenbildung am Handballen und werden daher ausgetauscht.

4. Federung und Dämpfer

  • Federgabel und Dämpfer sind mit einem speziellen Teflonspray geschmiert.Achtung: Unbedingt einen Lappen vorhalten, damit die Flüssigkeit nicht an die Scheibenbremse oder in das Innere der Gabel gelangt.
  • Die Dichtungen an den Federelementen der Federgabel sind geprüft: Dafür werden die Laufflächen mit dem Lappen abgewischt. Tritt danach sichtbar Öl aus, ist es Zeit für eine Wartung.

Bei vollgefederten Modellen werden auch die Hinterbaulager kontrolliert: Hierfür das Hinterrad demontieren, den Rahmen mit einer Hand fixieren und den Hinterbau bewegen. Ist hier Spiel zu spüren, werden die Lager nachgezogen.

 5. Bremsen

  • Mechanische Bremsen sind leichtgängig zu betätigen: Beim Bremstest im Stand baut sich bei kräftigem Zug nach kurzem Hebelweg ein Druckpunkt auf; der Hebel lässt sich dabei aber nicht bis zum Lenker durchziehen.
  • Bei hydraulischen Bremsen ist die DOT-Flüssigkeit aufgefüllt und es gibt keine undichten Stellen.
  • Die Bremsbeläge weisen eine Reststärke von mindestens 0,5 mm auf. Achtung: Die Schrauben der Bremsscheibe werden nur dann nachgezogen, wenn sie sich spürbar gelockert haben.

 6. Schaltwerk

  • Schaltwerk und Schaltauge sitzen gerade und sind nicht verbogen.
  • Kein Widerstand durch Rost, Außenhüllen oder ausgefranste Züge: Die Schaltung ist leichtgängig und schnell zu bedienen; die Kette rasselt nicht und springt leicht aufs nächste Ritzel. Eventuell gelängte Schaltzüge lassen sich oft durch eine Viertelumdrehung der Einstellschraube wieder justieren.
  • Die Schaltwerksröllchen am Hinterrad sind von Kettenfett und Schmutz gereinigt. Dafür wird ein in einen Lappen gewickelter Schraubendreher an die Röllchen angesetzt; diese werden über die Pedalkurbel langsam gedreht und so nacheinander gesäubert.

 7. Kette

  • Der Verschleiß (Längung) überschreitet den laut Kettenprüfer zulässigen Wert nicht.
  • Die Kette ist Glied für Glied frisch geölt und mehrmals durchgedreht.
  • Nach kurzer Einwirkzeit wird das überschüssige Öl mit einem Lappen abgenommen, damit die Kette weniger Schmutz anzieht.

 8. Tretlager und Pedalen

  • Die Ablaufbohrung unter dem Tretlager ist durchlässig für Kondenswasser: Bei starker Verschmutzung wird die Bohrung vorsichtig mit einem Kunststoffgegenstand geöffnet.
  • Die Kurbel hat seitlich kein Spiel und ist leichtgängig sowie geräuschlos zu bewegen.
  • Die Pedalen lassen sich ebenfalls leicht drehen und bieten weder seitlich, noch axial zu viel Spiel. Bei Klickpedalen werden außerdem die Federn geölt sowie die Auslöse- und Einrasthärte nachjustiert.

 9. Sattel und Sattelstütze

  • Der Sattel sitzt fest und lässt sich nicht verdrehen.
  • Die Sattelposition ist auf die Anatomie des Fahrers und die Fahrstrecken abgestimmt. D.h. bei längeren Strecken: Das Pedal ist in unterster Position und bei gerader Hüfte mit der Ferse erreichbar, während der Boden sich mit den Fußspitzen berühren lässt. Für Bergabfahrten wird der Sattel tiefer eingestellt und in der Regel auch leicht nach hinten gekippt.
  • Die Sattelstütze gleitet ohne Widerstand im Sitzrohr: Dazu werden Stütze und Sitzrohr so weit wie möglich gründlich mit einem Lappen von Schmutz und altem Fett gesäubert, bevor die neue Fettpackung aufgetragen wird.

 10. Schnellspanner und Steckachsen

  • Schnellspanner an Vorder- und Hinterrad, an Sattelstütze oder anderen Bausteilen sind ebenso handfest geschlossen wie vorhandene Steckachsen.
  • Die Hebel zeigen jeweils nach oben, damit sie nicht an Ästen o.ä. hängenbleiben können.

Zum Abschluss folgt eine so einfache wie wirkungsvolle Komplettprüfung: Wenn das Mountainbike aus geringer Höhe aufspringt und kein Klappergeräusch mehr zu hören ist, ist die letzte lockere Schraub- oder Lagerverbindung beseitigt.

Nach dem Check-up ist vor dem Check-up

Neben den vom Hersteller empfohlenen Service- und Wartungsintervallen und der Kontrolle nach der Winterpause empfehlen sich regelmäßige Prüfungen vor jeder Fahrt. Durch ihre Bauweise sind Mountainbikes zwar für raues Gelände, mögliche Sprünge und andere Belastungen prädestiniert, doch erst eine sorgfältige Pflege sorgt hier für die nötige Sicherheit.

Bei aller Vorsicht gilt aber auch das Prinzip: „Never change a running system.“ Wenn also Schaltung, Bremsen & Co. einwandfrei funktionieren, heißt es einfach: gute Fahrt!